Fritzi Haußmann | DUFT nach ROSEN

Eröffnung am Freitag, 31.03. um 19 Uhr im Kunsthaus Viernheim (Rathausstr. 36)

Begrüßung: Fritz Stier | Kunstverein Viernheim
Einführung: Prof. Hans Gercke | Kunsthistoriker

Fritzi Haußmann arbeitet prozessorientiert und entwickelt das jeweilige Werk aus dem Material und dem umgebenden Raum heraus. In ihren „tube objects“ lotet sie ihr bevorzugtes Material, LKW- und Fahrradschläuche, in all seinen Eigenschaften und Möglichkeiten aus. Mit linearen Setzungen durch das Nähgarn und farbigem Lack entsteht ein Zusammenspiel von Linie und Fläche, mattem Gummi und glänzender Lackfarbe.

Die Künstlerin selbst sagt dazu: “Mich interessieren diejenigen Materialien, die eine besondere Geschichte erzählen, die ich weitererzählen möchte und sie dabei zu meiner eigenen Geschichte mache.“

Für die intensive Auseinandersetzung und das bedingungslose Experimentieren, auf der Suche nach eigenen Ausdrucksformen, wurde die Künstlerin 2021 mit dem Pfalzpreis für Bildende Kunst in der Sparte Plastik, ausgezeichnet.
 
Für die Ausstellung im Viernheimer Kunstverein hat Fritzi Haußmann eine installative Arbeit entwickelt, in welcher neue Materialien und der konkrete Ortsbezug eine zentrale Rolle spielen.
Zur Vernissage wird eine Live-Performance zu sehen sein, die in Kooperation mit der Choreographin Delphina Parenti für diese Ausstellung entstand. Ihre Spuren werden auch während der Ausstellungsdauer sichtbar bleiben.


Thorsten Tenberken | Wächter der Schwerkraft

Video | Fotografie | Installation

Eröffnung: Freitag 10.02.2023 19:00 Uhr
Begrüßung:
Fritz Stier, Kunstverein
Einführung:
Dr. Pamela Pachl Kunsthistorikerin

Der Kunstverein Viernheim zeigt ab Mitte Februar die skurril schrägen Arbeiten des Hamburger Künstlers Thorsten Tenberken.

Ein Freiluftmaler wird auf einer Wiese von einer renitenten Wolke attackiert und erlebt kurz darauf einen unerwarteten Höhenflug, – ein Urwaldforscher verirrt und verheddert sich auf der Suche nach den Nilquellen im widerständigen Dickicht seiner Souterrain Wohnung, – in einem Garten düngt, rupft und beschneidet eine Horde Gärtner radikal Mensch und Pflanze nach ihren Vorstellungen und im Dachgeschoß eines Hauses geraten Mensch und Dinge scheinbar unaufhaltsam in einen Zustand der Schwerelosigkeit.

In den Arbeiten von Thorsten Tenberken befinden sich die Figuren in absurden Wechselwirkungen und Kämpfen mit der dinglichen Welt.  Eine humorige Gegenwehr im häuslichen Dschungel gegen Müll, Schmutzwäsche, Staubsauger, sowie wild gewordene Schubladen und Stühlen. Bei Tenberken ist die ironische Auseinandersetzung mit dem menschlichen Selbstverständnis nicht zu übersehen. Der Mensch ist hier nicht mehr die Krone der Schöpfung, sondern der Spielball seiner eigenen Vorstellungen geworden.

In seinen Videos, Zeichnungen, Skulpturen und Fotoserien wird damit ein Schwebezustand inszeniert, der nicht nur den Widerstreit unterschiedlicher Sichtweisen und Realitätsebenen gleichzeitig erlebbar macht, sondern auch einen transformierenden Prozess der permanenten, gegenseitigen Deutung und Umdeutung. Und hier noch eine Warnung an alle Besucherinnen und Besucher: Ähnlichkeiten mit eigenen Erfahrungen im alltäglichen Leben sind rein zufällig.

CHOLUD KASSEM | al watan – vom Reisen und Ankommen

 02. Sept. – 01. Okt. 2022

„In Wirklichkeit aber ist kein Ich, auch nicht das naivste, eine Einheit, sondern eine höchst vielfältige Welt, ein kleiner Sternenhimmel, ein Chaos von Formen, Stufen und Zuständen, von Erbschaften und Möglichkeiten.“ so schreibt Hermann Hesse in „Steppenwolf“.

Aber manchmal kann solch ein Sternenhimmel auch große Angst auslösen. Besonders, wenn man erst dreieinhalb Jahre alt ist, im Irak geboren, und sich unvermittelt in einem christlich geprägten Land wie Deutschland befindet. Ein Kulturcrash und dramatischer Identitätsverlust, bei dem wichtige Zugehörigkeiten zu Familie, Religion und Freund*innen, abrupt verloren gehen. Und man sich letztendlich als Kleinkind in einer Pflegefamilie in Viernheim, einem Kindergarten der Maria-Ward-Schwestern katholisch zwangssozialisiert wird oder sich gar in einem Kinderheim wiederfindet.

Heute ist Cholud Kassem eine anerkannte Künstlerin, die das Er- und Durchlebte in geheimnisvollen Chiffren malerisch aufarbeitet. Getragen von unterbewussten Impulsen entstehen fremdartige Seelendiagramme, erwachsen aus einem apotropäischen Kosmos, der als „Schutzlinge“, „Superkarmas“ oder „Pfeile“ nach außen drängt. Wie Synonyme der von Hesse beschriebenen Formen, Stufen und Zuständen verschiedener Lebenssituationen, aber auch Erbschaften und Möglichkeiten. „Erst jetzt schließt sich der Kreis!“, formuliert es die Künstlerin … Jahrzehnte später.

Mittlerweile vermag sie ihre Jahre in Viernheim bei strengen Pflegeeltern, den Exerzitien im Kindergarten und den Prügeln in einem Mannheimer Kinderheim, versöhnlicher entgegenzutreten.

Daraus entstand die Idee zu dieser Ausstellung, in der nicht nur ihre beeindruckenden malerischen Arbeiten gezeigt werden, sondern auch mithilfe von persönlichen Fotografien und Videos versucht wird, Bezüge in die anarchisch schmerzliche Identitätssuche der Künstlerin zu knüpfen. Und deshalb ist es auch naheliegend, dass die Ausstellung im Kunstverein Viernheim zu sehen ist.

Fritz Stier | Kunstverein Viernheim