Günter Zint

Wilde Zeiten

Fotografien von Günter Zint

Eröffnung: 4. November um 19 Uhr

Die Beatles und Jimi Hendrix im legendären Hamburger Star-Club, Studentenproteste in Paris und Berlin, Ostermärsche und Anti-Atomkraft-Demonstrationen, Mauerfall und deutsche Einheit – der Fotograf Günter Zint dokumentiert deutsche Zeitgeschichte – engagiert, kritisch, nie unbeteiligt.

1941 in Fulda geboren, beginnt Zint 1959 seine berufliche Laufbahn als Bildjournalist und Redakteur bei der Deutschen Presseagentur in Frankfurt, Berlin und München. Er macht Fotoreportagen für „Quick“, „Twen“ und „Der Spiegel“, arbeitet als freier Fotograf zeitweise auch in Schweden und England.

In den 60er Jahren ist der inzwischen in Hamburg lebende Fotograf Stammgast im damals „berühmtesten Beat-Club der Welt“, dem Star-Club in St. Pauli. Er porträtiert die Großen der Musikszene und liefert einfühlsame Milieustudien des Alltags im Kiez und seiner Bewohner.

Als Zint 1962 in München miterlebt wie Protestierer von Polizisten mit Schlagstöcken malträtiert werden, tritt er der Außerparlamentarischen Opposition (APO) bei. Von nun an fotografiert er zunehmend politische Themen. Seinem Credo „Ran ans Motiv“ folgend, richtet sich sein Blick meist aus der Perspektive der Agierenden auf das Geschehen. Aus unmittelbarer Nähe „protokolliert“ er die Ereignisse nach dem Attentat auf Rudi Dutschke, zeigt verletzte Demonstranten, Wasserwerfer und armierte Polizei. Mit seinen Fotos der Studentenunruhen oder des Kommunenlebens wird Zint zum Chronisten der 68er Bewegung.

In den 70er und frühen 80er Jahren ist Zint Augenzeuge vieler Aktionen der Jugend- und Protestbewegungen. Unter den Fotos Steine werfender Atomkraftgegner, aufmarschierender Polizisten, martialisch erscheinender Panzerwagen und Wasserwerfer am „Zaun“ in Brokdorf oder Wackersdorf finden sich stets auch solche, die Zwischentöne herausarbeiten und Hintergründiges einstreuen, die versöhnlich stimmen und die Konfrontation fast vergessen lassen.

Eröffnung: Freitag 4. Nov.. 19 Uhr
Begrüßung: Matthias Baaß (Bürgermeister Stadt Viernheim)
anschließend erzählt Günter Zint selbst über seine Arbeit
Dauer: 04.11. – 03.12..2011

Eine Ausstellung der Stiftung Haus der Geschichte
der Bundesrepublik Deutschland in
Zusammenarbeit mit der Stadt Viernheim.
Kunsthaus Viernheim in Kooperation
mit dem Kunstverein Viernheim.

Veronika Witte

Here is Elsewhere

Ein Ausstellungsprojekt von Veronika Witte

Eröffnung:23. September um 19 Uhr
Eines der zentralen handwerklichen Instrumentarien der Berliner Künstlerin Veronika Witte ist der Fragebogen. Mit seiner Hilfe startet sie Umfragen, deren Ergebnisse schlussendlich in Zeichnungen, Skulpturen und Videos transformiert werden.

Vor 10 Jahren hat sie begonnen das fiktive Meinungsinstitut „ISF“ (Institut für sozio- ästhetische Feldforschung Berlin) ins Leben zu rufen. Angesiedelt zwischen Kunst und pseudowissenschaftlicher Strategie befasst sich die Künstlerin mit Fragen zur menschlichen Identität, bzw. der Vorstellung von einem idealen Körper. So wurde in Zusammenarbeit mit Dr. Bodo Lippl (Institut für Sozialwissenschaften/ Empirische Sozialforschung der Humboldt Universität Berlin) für das „ISF“ ein sechsseitiger Fragebogen entwickelt, der die Basis der gesamten künstlerischen Forschungsarbeit darstellt.

In der Viernheimer Ausstellung „Here is Elsewhere“ untersucht Veronika Witte das Phänomen, wie Körper mit identischer Matrix durch äußere Einflüsse oder Manipulation ihre Erscheinungen verändern können. Dabei verfolgt sie Fragen wie “Wie konstruiert sich unser Selbst?“ oder „Welche Bedeutung hat der biografische, soziale oder kulturelle Kontext in Bezug auf die Identitätsbildung?“

Bei der „wissenschaftlichen Auswertung“ der Umfragen, der künstlerischen Umwandlung in Skulpturen und Videos etc., schleichen sich allerdings Übertragungsfehler ein. Es entsteht  eine Art „Stille Post-Spiel“. Vergnügen bereitet dieses Spiel in seiner weithin bekannten Form durch die vieldeutigen Verfälschungen des Inhalts, durch eine ins Unsinnige gewendete Sprache und wild wuchernde Assoziationen und Bilder.
Eröffnung: Freitag 23. Sept., 19 Uhr
Ausstellungsort: Kunsthaus Viernheim
Begrüßung: Fritz Stier (Kunsthaus Viernheim)
Einführung: Benedikt Stegmayer (Stadtgalerie Mannheim)
Dauer: 23.09. – 22.10.2011

POSSIBLE ARTs

POSSIBLE ARTs

Diplomand/innen und Meisterschüler/innen
Kunsthochschule Berlin Weißensee

mit:

MARTIN BARTELS,  AMBRA BRIGAZZI, CHRISTINE GEHRKE, FRIEDRICH GOBBESSO, BIRTE HAAKEN, KOZUE KAWAJIRI, MATTHIAS KEBELMANN, ROBERT KIPPING, DAVID SCHOBER, MIRAY SERAMET, SYLVI UHLMANN, GREGOR WEDL, DANIEL WOLTER, YUNG-SHAN TSOU

Eröffnung:19. August um 19 Uhr

Nach Karlsruhe, Dresden, Offenbach und im letzten Jahr Mannheim, präsentiert der Kunstverein in seiner Ausstellungsreihe mit Studierenden deutscher Akademien, diesmal die Kunsthochschule Berlin Weissensee. 14 Diplomand/innen und Meisterschüler/innen aus der Klasse von Prof. Tristan J. Pranyko zeigen ihre Arbeiten im Kunstverein. Die Exponate siedeln im Experimentierfeld zwischen Skulptur, Plastik, Brikolage, Fotografie, Malerei, Mode und Design, wobei sie sich einer Kategorisierung und Festlegung auf klassische Genres bewusst entziehen.

Landläufig hat sich die Meinung durchgesetzt, die Kunst habe ihre Möglichkeiten komplett erschlossen und ausgeschöpft. Weiße Flecken auf der Landkarte wurden besetzt und sind zu bekanntem Terrain geworden. Selbst künstlerische Brachen sind mittlerweile besiedelt – Pionierleistungen unmöglich geworden. Durch die Ökonomisierung der Lebensbereiche und auch der Kunst, bekommt Wert, was nur begrenzt verfügbar ist, ungeachtet der Qualität: Neu um jeden Preis. „possible arts“ steht für einen Gegenentwurf. Jenseits von feudalen Gebietsansprüchen wird experimentiert und geforscht.

„anything goes“ markiert nicht nur eine Grenzenlosigkeit bei der Wahl der Mittel und Wege, sondern schließt explizit die Möglichkeit und das Recht zur Wiederholung ein ohne sich die Unterstellung des Epigonentums einzuhandeln. Liam Gallag-her kontert auf den Vorwurf, dass es doch langweilig sei, dass „Oasis“ jetzt auch, wie vor ihnen „The Who“ und die Stones, Sessel aus Hotelzimmerfenstern schleudern und dicke Autos fahren würden: „So what – we never did it before!“ Na und? Legitim, was zum Erkenntnisgewinn beiträgt.

Eröffnung am 19. August 2011 – 19 Uhr im Kunsthaus Viernheim