Varian Fry

Varian Fry

eine Ausstellung des Aktiven Museums
Faschismus und Widerstand in Berlin e.V.


Eröffnung: Dienstag 26.10.2010 um 19 Uhr Ausstellungsdauer: 26.10. – 14.11.2010
Einführung:
Doris Diamant u. Wolfgang Geisler
Musik: Walter Helbig, Schlagzeug, Reinhard Kretschmer, Saxophon und Klarinette
Reinhard Pleil, Gitarre

Als der junge amerikanische Journalist Varian Fry im August 1940 im Auftrag der New Yorker Fluchthilfeorganisation Emergency Rescue Committee (ERC) in Marseille eintrifft, hat die deutsche Wehrmacht bereits weite Teile Frankreichs besetzt.

Alle in Frankreich lebenden Deutschen sind laut Waffenstillstandsvertrag »auf Verlangen auszuliefern«, was das faktische Ende des politischen Asyls in Frankreich bedeutet. Varian Fry und seinem Centre Acain de Secours gelingt es in den folgenden Monaten noch, mehr als 1.800 Menschen und deren Familien aus Südfrankreich in die Freiheit zu lotsen.

In seinem auch illegal agierenden Büro werden Gelder akquiriert, Schiffspassagen besorgt, Visa und Pässe gefälscht und geheime Fluchtrouten über die französischspanischen Pyrenäen organisiert.

Zahlreiche Künstler und Intellektuelle verdanken Varian Fry und seinen Helfern ihr Leben; aber auch viele unbekannte Flüchtlinge waren unten den Geretteten. Die Ausstellung präsentiert nun erstmals die Arbeit der Retter und die Stationen der Flüchtlinge: von Berlin über Paris, Marseille, die Pyrenäen bis nach New York.

Gezeigt werden historische Dokumente, Fotos, Lebenszeugnisse von Rettern und Geretteten sowie deren (posthume) Würdigungen und Ehrungen.

Die Fotos und Dokumente werden auf 30 Tafeln zu einzelnen »Handlungsräumen« zusammengestellt. Sie liefern den historischen Kontext. Die mehr als 75 Einzelschicksale, die Fluchtwege und die Arbeit der Fluchthelfer werden an Lesetischen vertiefend dargestellt. Hörstationen bereichern die Ausstellung mit Zitaten der Flüchtlinge bzw. ihrer Retter.

Den Schluss bilden zwei Pulte mit 66 biografischen Steckkarten zu den Personen, die mit Hilfe von Varian Fry in den USA angekommen sind.

RENÉ SCHOEMAKERS

RENÉ SCHOEMAKERS „buridanesk!“

Eröffnung am 19. Oktober 19 Uhr

 

Der Kunstverein Viernheim zeigt in Kooperation mit dem Kunsthaus den Lucas-Cranach-Preisträger 2011 René Schoemakers.

Der 40-jährige Künstler studierte Malerei bei Peter Nagel an der Kunsthochschule Kiel sowie Philosophie und Kunstgeschichte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er arbeitet als Maler gegenstandsbezogen, hauptsächlich in naturalistischer Darstellungsweise. Diese „Malerei gemahnt sowohl an Holbein wie an Neusachliches der 20er-Jahre“ (Heinz Höfchen) Dabei bevorzugt er die Arbeit an mehrteiligen Bildserien und Werkzyklen, die zum Teil auch objekthaft im Raum arrangiert werden.

Nichts an seinen auf Leinwand gemalten Bildern ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. „Niemals zeigen die Dinge ihr wahres Gesicht. Meine Bilder sind Metaphern, die bis ins Bodenlose führen „, sagt Schoemakers.
Der Künstler nutzt seine Genauigkeit deshalb auch nicht, um dem Naturalismus – jener
nach naturgetreuer Darstellung strebenden Kunst – zu huldigen, sondern einzig als technisches Vehikel.

Obwohl alle Details ohne Umschweife zu erkennen sind, bleiben Schoemakers Bilder seltsam fremd und rätselhaft: Immer spielt der Blick eine zentrale Rolle, – sei es, dass die Figur den Betrachter unmittelbar fixiert und dadurch verunsichert, sei es, dass sie mit geschlossenen Augen den Blick nach innen richtet und sich einer visuellen Vereinnahmung verschließt. Die Figur ist vielfach nackt, was den Betrachter in die keineswegs angenehme Rolle des Voyeurs drängt. Es fällt weiterhin auf, dass fast immer die gleichen Modelle in seinen Bildern zu sehen sind: seltener er selbst als männlicher Part, vor allem aber seine Frau. Diese Beschränkung fördert den Wiedererkennungswert. In der Rezeption des Werkes lenkt sie nicht ab von einer möglichen optischen, diffusen Vielfältigkeit. Vor allem aber entlässt sie den Maler aus dem Verdacht, selbst Voyeur zu sein, was seinen Bilder wiederum eine bestimmte, mental verengte, Perspektive aufzwingen würde.

Davon kann aber in den Bildern von Schoemakers keine Rede sein. Im Gegenteil. In der Art ihrer Inszenierung zeichnen sie sich durch eine Unverkrampftheit aus, die freilich nicht nur auf den Maler, respektive seine bildnerischen Mittel, sondern vor allem auch auf das Modell zurückzuführen ist, das, gleichsam wie auf einer Bühne angekommen, sich in einem ganz bestimmten, stringent vorgetragenen Sinne zu präsentieren weiß.