{"id":486,"date":"2010-09-25T16:00:36","date_gmt":"2010-09-25T16:00:36","guid":{"rendered":"http:\/\/kunststueckchen.de\/wp\/?page_id=486"},"modified":"2024-08-05T11:12:53","modified_gmt":"2024-08-05T11:12:53","slug":"sabine-kress","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neu.kunsthaus-viernheim.de\/?p=486","title":{"rendered":"Sabine Kress"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif;\"><strong>Sabine Kress<br \/>\n\u201eHalleluja\u201c<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/neu.kunsthaus-viernheim.de\/files\/kress.jpg\" width=\"700\" height=\"153\" \/><br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong>Er\u00f6ffnung: 18. M\u00e4rz um 19 Uhr<\/strong><\/p>\n<p>\u201eHalleluja&#8230;&#8220; ruft die Bordellbetreiberin, \u201eendlich wieder Kundschaft!&#8220; \u201eHalleluja&#8220; rufen die dort besch\u00e4ftigten Huren, die sich dies von ihrer Chefin abgeschaut haben.<br \/>\nSabine Kress ist vier Jahre lang in die Lupinenstra\u00dfe, Mannheims vermutlich ber\u00fchmteste Stra\u00dfe, gegangen. Sie hat Frauen getroffen, die dort ihre Arbeit verrichten, und Bilder gemacht. Bilder, die auf den ersten Blick ganz einfach und klar sind, die jedoch umso mehr Zweifel und Fragen aufwerfen, je l\u00e4nger man sie betrachtet. Kaum einmal sehen wir ein Gesicht (so war es mit den Beteiligten abgesprochen), nie erfahren wir von den Bildern etwas vom Sexualkontakt. der eigentlichen Arbeit. Dies w\u00e4re vermutlich nur in eindeutigen und blo\u00dfstellenden Bildern umzusetzen gewesen. Doch genau dies wollte Sabine Kress nicht. Als sie vor gut vier Jahren mit ihrer Arbeit begann, warf sie erst einmal ihre vermeintlichen Kenntnisse \u00fcber Huren und Prostitution \u00fcber Bord und begann neben dem Fotografieren, mit den Frauen zu reden. So erfuhr sie von der Last des Wartens, von dem \u00fcberschaubaren Gewinn, von Altersschnitt und Besucherfrequenz, von Hygiene und Verzweiflung. \u201eUm wieder anzufangen brauchst du nur ein paar Gummis, \u00b4ne Zewarolle und ein Handtuch&#8220; sagt eine der Huren im Gespr\u00e4ch. Sie hat ihr M\u00e4nnerbild an die Kundschaft angepasst und beklagt den vergehenden Stolz ihres Gewerbes.<\/p>\n<p>Am Ende dreht sich aber alles um das Warten und die Tr\u00e4ume. Das Warten der Frauen auf die Freier, das Warten, das kein Ende hat, sondern nach den 20 Minuten mit dem Freier aufs Neue beginnt. Die Tr\u00e4ume der Freier, die sich in Internetforen \u00fcber die Qualit\u00e4ten der Huren austauschen, \u00fcber ihre angeblich geile Natur, ihre ewige Lust, ihr Aussehen und ihre Z\u00e4rtlichkeit.<\/p>\n<p>Sabine Kress&#8216; Aufnahmen werden von dem Statement der Frauen perfekt erg\u00e4nzt. Sie erz\u00e4hlen pr\u00e4zise und desillusioniert vom Alltag einer Spezialistin, die keinen Job wie jede andere hat und den Wandel des Gewerbes bemerkt. Durch diese Worte erhalten die in ihrer Farbigkeit warmen Bilder den notwendigen kalten Unterton, der Romantik als Illusion entlarvt und von der Kraft der Tr\u00e4ume in uns allen erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Das erste Licht, das wir alle noch im Bauch der Mutter wahrnahmen, war rot. gefiltert von den Blutgef\u00e4\u00dfen und der Haut. Dieses Rot benutzt das Milieu, weil es uns in Kombination mit den dargebotenen k\u00f6rperlichen Reizen in eine gespannte Behaglichkeit zu versetzen vermag. Diese Ausstellung ist an der Oberfl\u00e4che warm und erz\u00e4hlt mit einer sp\u00fcrbaren W\u00e4rme von den Protagonistinnen. Doch wer genau hinsieht und sich nicht vom Schein blenden lasst. entdeckt eine todtraurige kleine Welt, deren Hoffnung es ist. aus ihr entrinnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Thomas Schirmb\u00f6ck (ZEYPHYR &#8211; Raum f\u00fcr Fotografie) 2010<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sabine Kress \u201eHalleluja\u201c Er\u00f6ffnung: 18. M\u00e4rz um 19 Uhr \u201eHalleluja&#8230;&#8220; ruft die Bordellbetreiberin, \u201eendlich wieder Kundschaft!&#8220; \u201eHalleluja&#8220; rufen die dort besch\u00e4ftigten Huren, die sich dies von ihrer Chefin abgeschaut haben. 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